ZUGFeRD einfach erklärt – Praxis für KMU & Buchhalter

ZUGFeRD einfach erklärt – Praxis für KMU & Buchhalter

28.7.2026 · Von Alexander Lutsyuk

ZUGFeRD einfach erklärt: Format, Aufbau, Beispiel



Lesezeit: ca. 8 Minuten



  • ZUGFeRD ist ein hybrides E‑Rechnungsformat: eine PDF/A‑3 mit eingebetteter XML‑Datei.
  • Normenbasis: orientiert an EU‑Richtlinie 2014/55/EU und EN 16931; technisch auf UN/CEFACT/CII.
  • Profile: Basic, Comfort (EN 16931) und Extended steuern den Detailgrad der XML.
  • Praxisnutzen: Mensch sieht PDF, Buchhaltung liest XML – ideal für Shopbetreiber mit heterogenen Kunden.




1. Was ist ZUGFeRD? Der Standard hinter der hybriden E‑Rechnung

Illustration des ZUGFeRD-Standards und seiner Einbettung

ZUGFeRD steht für „Zentraler User Guide des Forum elektronische Rechnung Deutschland (FeRD)“. Es ist keine Software, sondern eine Spezifikation: die Bauanleitung für eine Datei, die sowohl eine menschenlesbare Rechnung als auch strukturierte Rechnungsdaten enthält. Entwickelt vom Forum elektronische Rechnung Deutschland mit Unterstützung des Bundeswirtschaftsministeriums, zielt ZUGFeRD auf branchenübergreifenden Austausch ab.

Rechtliche und technische Basis: das Format orientiert sich an der EU‑Richtlinie 2014/55/EU und der Norm EN 16931; technisch folgen die Spezifikationen UN/CEFACT und Cross Industry Invoice (CII). Das macht ZUGFeRD kompatibel zu europäischen Vorgaben und nicht nur zu einer nationalen Lösung.

Praxis für Shopbetreiber: Eine einzige Datei reicht für Privatkunden und Geschäftskunden gleichermaßen – die PDF ist für Menschen, die XML‑Daten für Buchhaltungssysteme. Das spart Supportaufwand und reduziert manuelle Erfassungen.



2. ZUGFeRD einfach erklärt: PDF ansehen, XML auslesen lassen

Schema "Eine Datei, zwei Leser" mit PDF und XML

Kurz gesagt: Eine Datei, zwei Leser — Mensch und Maschine. Die sichtbare Komponente ist eine PDF/A‑3, die gleichzeitig die strukturierte XML-Datei als Anhang enthält. Beide Teile transportieren dieselben Informationen.

Vorteile für Händler:

  • Menschenlesbar: klassische PDF‑Ansicht mit Logo, Adressen und Positionen.
  • Maschinenlesbar: XML‑Anhang mit Positionsdaten, Steuersätzen, Zahlungszielen zur automatischen Verbuchung.
  • Archivierung: PDF/A‑3 unterstützt revisionssichere Ablage (GoBD‑freundlich).

Praktischer Hinweis: Wenn Sie keine ERP‑Integration haben, erzeugen Sie ZUGFeRD‑Dateien über einen Webdienst wie e-rechn.de, der PDF/A‑3‑Konvertierung und das XML‑Mapping übernimmt.



3. ZUGFeRD Aufbau: wie die Datei technisch gebaut ist

Diagramm des PDF/A-3 Containers mit eingebettetem XML-Anhang

Aufbau in zwei Komponenten:

Der PDF/A‑3‑Container

PDF/A‑3 ist ein ISO‑konformes Archivformat, das das Einbetten von Dateien erlaubt. Die sichtbare Rechnung ist eine PDF/A‑3‑konforme Datei mit eingebetteten Schriften und Seitenlayout, so dass sie langfristig unverändert bleibt.

Der XML‑Anhang

Die strukturierte XML enthält alle Rechnungsdaten nach UN/CEFACT und EN 16931 (CII). Technisch ist die XML innerhalb der PDF hinterlegt — das macht die Datei zu einer untrennbaren Einheit.

Worauf Sie achten müssen

Die PDF und die XML müssen inhaltlich übereinstimmen. Häufige Fehler sind separat verschickte XML‑Dateien oder falsch erzeugte PDF/A‑3‑Exporte. Nutzen Sie Validierungswerkzeuge oder einen Dienst wie e-rechn.de.



4. Welche Daten stecken in der ZUGFeRD-XML?

Tabelle mit Kopf-, Positions-, Summen- und Zahlungsdaten

Die XML gliedert sich vereinfacht in vier Blöcke:

Kopf‑ und Headerdaten

  • Rechnungsnummer, Rechnungsdatum
  • Verkäufer (Name, Adresse, USt‑IdNr.), Kunde
  • Bezugsdaten wie Bestellnummer, Projektreferenz

Positionsdaten

  • Artikelnummer, Beschreibung, Menge, Einheit (z. B. PCE)
  • Einzelpreis, Zeilenbetrag, Steuersatz je Position

Summen und Steuern

  • Zwischensummen, Steuerbeträge nach Satz, Netto und Brutto
  • Spezialfälle: innergemeinschaftliche Lieferung, Reverse Charge, OSS

Zahlungsinformationen

  • Zahlungsziel, Fälligkeitsdatum, IBAN/BIC, Verwendungszweck

Tipp: Eine interne Checkliste mit diesen Blöcken reduziert Validierungsfehler erheblich.



5. ZUGFeRD Profile: Basic, Comfort und Extended

Icons für Basic, Comfort (EN 16931) und Extended Profile

Profile legen fest, wie viele XML‑Elemente genutzt werden — vergleichbar mit Ausstattungslinien:

  • Basic / Basic WL: für einfache Rechnungen und B2C‑Fälle. WL = reduzierte Variante ohne detaillierte Positionsdaten.
  • Comfort / EN 16931: Standardprofil für B2B; deckt EN 16931 vollständig ab.
  • Extended / X: für spezielle Branchenbedarfe mit erweiterten Feldern.

Meine Empfehlung für Shopbetreiber: Comfort als Standard für Geschäftskunden; Basic ist für Privatkunden ausreichend. Bei Unsicherheit lieber Comfort wählen, da Empfänger, die nur Basic benötigen, die zusätzlichen Felder ignorieren können.



6. Beispiel aus dem Shop‑Alltag: Haushaltsgeräte, drei Länder, eine Rechnung

Rechnungspapier (PDF) und daneben XML-String zur Illustration

Szenario: Onlineshop (Unternehmen A) stellt eine Rechnung an einen Handwerksbetrieb (Unternehmen B).

Was der Mensch sieht (PDF): Briefkopf, Anschriften, Rechnungsnummer RE‑2026‑00123, Datum 15.06.2026, Positionen, Steuer, Gesamtbetrag, Zahlungsziel.

Was die Software liest (XML, vereinfacht): Debitor‑ und Kreditorinformationen, Positionsdaten (Beschreibung, Menge, Preis), Summen, Fälligkeitsdatum, IBAN. Die echte ZUGFeRD‑XML nutzt UN/CEFACT‑Elemente; das Beispiel ist zur Illustration.

Für Verkäufe in andere EU‑Länder ändern sich primär Steuerkennzeichen und Empfängerdaten — nicht das Dateiformat. Das reduziert den Pflegeaufwand bei mehreren Ländern.



7. ZUGFeRD im Vergleich: PDF, XRechnung, Factur‑X

Die Unterschiede im Detail sehen Sie in unserem Beitrag XRechnung vs. ZUGFeRD im Vergleich.

Vergleichstabelle ZUGFeRD vs. PDF vs. XRechnung vs. Factur-X

ZUGFeRD vs. klassische PDF: Klassische PDF ist nur visuelle Darstellung; ZUGFeRD enthält zusätzlich strukturierte XML‑Daten und nutzt PDF/A‑3 für Archivierung.

ZUGFeRD vs. XRechnung: XRechnung ist ein reines XML‑Format, häufig bei öffentlichen Auftraggebern gefordert. ZUGFeRD ist hybrid (PDF + XML). Beide erfüllen EN 16931; für Behörden ist oft XRechnung oder ein kompatibles Format Pflicht.

ZUGFeRD vs. Factur‑X: Factur‑X ist das französische Pendant; technisch sind Factur‑X und ZUGFeRD äquivalent (UN/CEFACT in PDF/A‑3, EN 16931).

Wichtig: Der Transportweg (E‑Mail, Portal, Peppol) ist unabhängig vom Format. Viele Tools erzeugen mehrere Formate auf Knopfdruck.



8. Pflicht oder freiwillig? Und wie Sie als Shopbetreiber starten

Falls Ihr Empfänger stattdessen XML erwartet, erklärt unser Leitfaden, wie Sie PDF in XRechnung umwandeln.

Wenn Sie direkt praktisch loslegen wollen, zeigt unser Guide, wie Sie eine ZUGFeRD-Rechnung erstellen.

Schritte-Checkliste für den Einstieg in ZUGFeRD

Ist ZUGFeRD verpflichtend? Nein — der Standard selbst ist nicht generell gesetzlich vorgeschrieben. Allerdings sind strukturierte E‑Rechnungsformate in bestimmten Kontexten (z. B. öffentliche Auftraggeber) verpflichtend.

Warum viele Unternehmen ZUGFeRD nutzen:

  • Standardisierter Datenaustausch
  • Automatisierung von Finanzprozessen
  • Menschlich lesbare PDF + maschinenlesbare XML
  • Weniger Supportanfragen und schnellere Zahlungen

Praktische Einstiegsschritte

  1. Bestandsaufnahme: Wer sind Ihre Empfänger (Privat, Geschäft, Behörden)?
  2. Stammdaten aufräumen: Adressen, USt‑IdNr., Steuerkategorien.
  3. Format festlegen: Comfort als Standard, XRechnung bei Behörden.
  4. Test und Validierung: Testrechnung erzeugen, mit Empfänger prüfen.
  5. Archivierung: PDF/A‑3 in einem revisionssicheren Ablageort speichern.
  6. Rollout schrittweise durchführen.

Kein großes ERP? Kein Problem: Tools wie e-rechn.de erlauben schnelle, normkonforme Erstellung ohne Projektaufwand.





Was bedeutet ZUGFeRD?

ZUGFeRD steht für „Zentraler User Guide des Forum elektronische Rechnung Deutschland“. Es ist ein Standard für elektronische Rechnungen, entwickelt vom Forum elektronische Rechnung Deutschland (FeRD) mit Unterstützung des Bundeswirtschaftsministeriums.

Ist eine ZUGFeRD‑Rechnung eine PDF oder eine XML?

Beides. Eine ZUGFeRD‑Datei ist eine PDF/A‑3, in die eine XML‑Datei eingebettet ist. Der Mensch sieht die PDF, die Software liest die XML. Die Inhalte sind identisch.

Was ist der Unterschied zwischen ZUGFeRD und XRechnung?

ZUGFeRD ist hybrid (PDF plus XML), XRechnung ist rein strukturiert (nur XML). Beide erfüllen die Norm EN 16931. Für öffentliche Auftraggeber ist häufig XRechnung oder ein kompatibles Format gefordert.

Kostet ZUGFeRD Geld?

Der Standard ist seit 2017 kostenfrei nutzbar. Kosten entstehen nur für die Software oder das Tool, mit dem Sie die Rechnungen erstellen.

Welche ZUGFeRD‑Version soll ich nehmen?

Nutzen Sie eine aktuelle 2.x‑Version. Laut Wikipedia‑Eintrag wird ZUGFeRD 2.5 als aktuell genannt. Prüfen Sie im Zweifel, welche Version Ihr Empfänger unterstützt — moderne Systeme lesen mehrere Versionen.

Welches Profil brauche ich als Onlineshop?

Für Privatkunden reicht Basic. Für Geschäftskunden empfiehlt sich Comfort / EN 16931. Extended ist für spezielle Branchenanforderungen gedacht.

Kann ich eine ZUGFeRD‑Rechnung mit Word oder Excel erstellen?

Nein, nicht direkt. Sie brauchen ein Programm, das PDF/A‑3 erzeugt und die normkonforme XML einbettet. Ein Onlinegenerator wie e-rechn.de übernimmt das ohne Installation.

Ist ZUGFeRD GoBD‑konform?

Das Format unterstützt eine revisionssichere Archivierung, weil PDF/A‑3 ein Langzeit‑Archivformat ist und die Daten strukturiert vorliegen. Die GoBD‑Konformität hängt aber auch von Ihren Prozessen und Ihrem Archivsystem ab.

Funktioniert ZUGFeRD auch bei Kunden im EU‑Ausland?

Ja. ZUGFeRD basiert auf EU‑Richtlinie 2014/55/EU und EN 16931. In Frankreich heißt das nahezu gleiche Format Factur‑X. Achten Sie auf die korrekten Steuerangaben pro Zielland.

Was passiert, wenn mein Kunde ZUGFeRD nicht lesen kann?

Dann öffnet er einfach die PDF wie bisher. Das ist der große Vorteil des hybriden Formats: es funktioniert in beide Richtungen.

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Über den Autor

Alexander Lutsyuk

Alexander Lutsyuk · Gründer & Betreiber

Alexander Lutsyuk ist Gründer von Algoran und verantwortet E-Rechn.de. Er arbeitet seit Jahren in den Bereichen Automatisierung, digitaler Content und SEO – aktuell als On-Page-SEO-Berater bei der SEO-Küche Internet Marketing GmbH & Co. KG. Mit E-Rechn.de verbindet er Automatisierungs-Know-how mit den praktischen Anforderungen der EU-E-Rechnungspflicht: XRechnung, ZUGFeRD, Factur-X und EN 16931. Er hält einen M.Sc. der Humboldt-Universität zu Berlin und ist BVDW-zertifizierte Fachkraft.

Ausbildung: Humboldt-Universität zu Berlin

BVDW-zertifizierte Fachkraft

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